Für Konservatorien und Universitäten
Lehre
Harry Pepl unterrichtete fast zwei Jahrzehnte Jazzgitarre in Graz. Seine Stücke, seine Art zu üben und sein Real-time Composing eignen sich für Unterricht in Gitarre, Improvisation, Ensemblespiel und Komposition.
Harry Pepl als Lehrer in Graz
1976 bot die Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz, die heutige Kunstuniversität Graz, Harry Pepl die Leitung der Ausbildungsklasse für Jazzgitarre an. Ab 1977 unterrichtete er dort, 1984 wurde er ordentlicher Professor; seine Lehrtätigkeit endete Mitte der 1990er Jahre.1 Für ihn war die Entscheidung auch eine künstlerische: Mit dem Lehrberuf ließ er Studio- und Unterhaltungsmusik hinter sich und spielte nur noch Jazz.2
Pepl, selbst Autodidakt, unterrichtete vor allem durch Vorspielen. Guido Jeszenszky, der 1977 bei ihm begann, erinnert sich, dass er mit wechselnden Gitarren kam, ständig nach Sounds suchte und im Unterricht fast die ganze Zeit spielte.3 Für seine Klasse schrieb er Stücke wie „Boo Bop“, ursprünglich für vier Gitarren.4 Auch ihm selbst brachte der Unterricht viel: „Durch das ständige Vorspielen machte ich mir immer selber Gedanken, was man da noch machen könnte.“5 Heckel schreibt, Pepl habe seine Studierenden offensichtlich zu einer eigenständigen musikalischen Sprache angeregt.6
Zu seinen Studierenden gehörten Wolfgang Muthspiel, Peter Havlicek, Guido Jeszenszky, Alex Machacek, Helmut Weinhandel und Johannes Enders; Gerald Gradwohl nennt ihn als Lehrer.7 Anfang der 1990er Jahre unterrichtete Pepl auch bei den Jazzseminaren in Zeillern in Niederösterreich, wo ihn unter anderem Agnes Heginger und Lorenz Raab kennenlernten.8
Was sich für den Unterricht eignet
Leadsheets. Rund 20 Stücke liegen als Leadsheets vor, 2020 neu gesetzt, darunter „Air, Love & Vitamins“, „Dinozzo“, „Radlbremser“, „Halley's Comet Light Blue Blues“, „Song for Gil“, „Scale Fox“ und „Die alte Mär und das Mann“. Leadsheets für den Unterricht können angefragt werden; das Werkverzeichnis zeigt, für welche Werke Noten bekannt sind.9
Üben als Weg zur Freiheit. Pepl übte Themen mit seinen Bands so lange, bis sie „schlafwandlerisch“ saßen, um in der Improvisation frei zu sein. Mit Air Mail wurden Themen vorgespielt statt notiert und im Unisono geübt.10 Das lässt sich mit Ensembles direkt nachvollziehen, etwa am „Radlbremser“ mit seinem Thema in Sechzehnteln.
Transkribieren. Pepl lernte, indem er Aufnahmen von Wes Montgomery, Jim Hall, George Benson oder John Coltrane abhörte und auswendig mitspielte.11 Seine eigenen Aufnahmen bieten sich dafür ebenso an.
Real-time Composing. Eine Stimme improvisieren und aufnehmen, eine zweite als Antwort darauf, eine dritte mit anderem Klang, dann nichts mehr ändern: Pepls Methode eignet sich für Übungen in Improvisation, Komposition und Musikproduktion, auch mit heutiger Software (Real-time Composing). Heckels Dissertation zeigt mit Hörberichten, Zeit-Event-Tabellen und einer Verbalpartitur, wie sich unnotierte Musik beschreiben und neu spielen lässt.12
Spielen mit den Originalspuren. Im Live-Projekt improvisieren Musiker mit Pepls Spuren aus dem Heimstudio (Projekte). Ob einzelne Spuren für Hochschulprojekte zur Verfügung gestellt werden können, hängt von Material und Rechten ab; von vielen Stücken ist nur die Stereosumme erhalten.13
Formate auf Anfrage
Für Konservatorien, Universitäten und Jazzabteilungen sind verschiedene Formen der Zusammenarbeit denkbar, etwa Vorträge über Pepls Leben und Arbeitsweise, Workshops zum Real-time Composing, Projekte mit Leadsheets oder Konzerte des Live-Projekts. Was davon möglich ist, klären wir im Einzelfall (Anfrage Lehre). Mit einem persönlichen Zugang lässt sich zusätzliches Material abrufen, das nicht öffentlich ist; jeder Antrag wird einzeln geprüft.
Anmerkungen und Quellen (13)
- Kohler 2006, S. 1 und 29; Heckel 2024, S. 69. Zum Ende der Lehrtätigkeit nennen die Quellen 1994 oder 1995. ↩
- Kohler 2006, S. 29 und 39 f. ↩
- Heckel 2024, S. 230 f. ↩
- Kohler 2006, S. 43. ↩
- Kohler 2006, S. 139. ↩
- Heckel 2024, S. 30. ↩
- Musikergilde, Nachruf vom 19.12.2005; JazzEcho, 07.12.2005; Heckel 2024, S. 65, 80 und 244; Passauer Neue Presse, 27.10.2017, S. 21. ↩
- Heckel 2024, S. 163, 258 und 269. ↩
- Notenbestand des Nachlasses, Stand Oktober 2026. ↩
- Kohler 2006, S. 95 und 99 bis 101; Heckel 2024, S. 46 und 219. ↩
- Kohler 2006, S. 24 f.; Heckel 2024, S. 66. ↩
- Heckel 2024, S. 159 bis 162 und 272 bis 282. ↩
- Heckel 2024, S. 159 und 237. ↩
Werke mit Notenmaterial
- Air, Love & VitaminsLeadsheet · 1982
- Alone Is a Golden StoneLeadsheet · 1989
- AnkaraLeadsheet · 1992
- Anspannen, Überspannen, AbspannenPartitur · 1992
- Blue WazzaLeadsheet
- BudvaLeadsheet
- Buh BoopLeadsheet
- Dedicated to Michel Noiret's StockhausenPartitur · 2004
- Die alte Mär und das MannLeadsheet · 1987
- Die kleine MuttiLeadsheet · 1986
- DinozzoLeadsheet · 1987
- Einsiedler SilenceLeadsheet · 1979
- Eye of the GroundhogLeadsheet
- GrogosLeadsheet · 1989
- Halley's Comet Light Blue BluesLeadsheet · 1985
- Hundertfünfundzwanzig ZweihundertfünfzigLeadsheet · 1986
- Kling KlangLeadsheet · 1982
- La la LaLeadsheet · 1992
- Little MomLeadsheet · 1992
- More Far Out Than EastLeadsheet · 1987
- Moving NavelPartitur · 1991
- ObsessionLeadsheet · 1991
- PizzicatPartitur · 1990
- RadlbremserLeadsheet
- Scale FoxLeadsheet · 1992
- Shifting PeopleLeadsheet · 1988
- Song for GilLeadsheet · 1992
- String Nr. 8Partitur · 1991
- Tintenfisch InkiLeadsheet · 1987
- Über Kurz oder Lang, Von der Weite und der EngePartitur · 1993
- ZeitrafferPartitur · 2000