Harry Pepl wurde am 10. September 1945 in Wien geboren und starb am 5. Dezember 2005 in Wiener Neustadt. Er begann mit dem Akkordeon, kam mit 15 Jahren zur Gitarre und lernte Jazz als Autodidakt, indem er Aufnahmen von Wes Montgomery, Jim Hall und anderen Note für Note nachspielte. Nach Jahren in der Tanzband Austrian Evergreens wurde er in den 1970er Jahren Studiomusiker und Gitarrist der ORF Big Band.
Ab Mitte der 1970er Jahre bildete er mit dem Tiroler Vibraphonisten Werner Pirchner das Duo Jazzzwio. Es nahm 1979 „Gegenwind“ auf, spielte 1981 beim Montreux Jazz Festival und erweiterte sich 1982 für ein ECM-Album mit Jack DeJohnette zum Trio; darauf erschien Pepls Komposition „Air, Love & Vitamins“, die bis heute von vielen Musiker:innen gespielt wird. 1980 und 1981 war Pepl Gitarrist im Quartett von Benny Goodman. Mit Wolfgang Puschnig, Mike Richmond und Wolfgang Reisinger spielte er in der Band Air Mail, in Frankreich mit Michel Portal, Dave Liebman und Jack DeJohnette, mit Enrico Rava und Dino Saluzzi nahm er „Volver“ auf. Sein ECM-Album „Cracked Mirrors“ mit Herbert Joos und Jon Christensen erhielt 1988 den Preis der deutschen Schallplattenkritik.
Als einer der ersten Jazzmusiker weltweit arbeitete Pepl mit MIDI-Gitarre und Computer. Daraus entwickelte er das Real-time Composing oder Instant Composing: Er improvisierte Stimme für Stimme, ließ das Ergebnis als Partitur ausdrucken und korrigierte nichts nach. So entstanden Auftragswerke für das Ensemble Wien, das Ensemble Kontrapunkte, das Kronos Quartet, STUDIO PERCUSSION graz und das Artis-Quartett sowie das Album „Schönberg Improvations“ (1990) mit einem Bösendorfer-Computerflügel.
Ab 1977 unterrichtete er Jazzgitarre an der Musikhochschule Graz, der heutigen Kunstuniversität, ab 1984 als ordentlicher Professor; zu seinen Studierenden gehörte Wolfgang Muthspiel. Das Land Niederösterreich zeichnete ihn 1991 und 1998 mit Kulturpreisen für Musik aus.
Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Pepl vor allem in seinem Studio in Hernstein, Niederösterreich. Es entstanden die Klavieralben „Consequence“ und „Flow“ und die Lonely Single Swinger Band, eine Ein-Mann-Band, in der er alle Instrumente selbst spielte. Den Nachlass verwaltet sein Sohn Daniel Pepl; bei Fullmax Recordings erscheinen seit 2015 Editionen daraus. Seit 2018 spielen Clemens Salesny, Martin Bayer, Andi Schreiber und Valentin Duit live mit Pepls Originalspuren; ihr Album „Harry Pepl (tape) & The (Lonely) Single Swinger Band: Live“ (2025) kam beim Österreichischen Jazzpreis 2025 in der Kategorie Best Album auf den zweiten Platz.