Zum Inhalt
Harry Pepl * 1945  † 2005
Cover: Skinny Minny / Olymp

Cover: Rex Royal (Single-Hülle)

Formation · ab 1964

The Austrian Evergreens

Wiener Beatband der 1960er Jahre, Hausband im Star Club Wien

Bevor er mit Benny Goodman, Jack DeJohnette und bei ECM Jazzgeschichte schrieb, stand Harry Pepl in Wien, Österreich, als Gitarrist der Austrian Evergreens auf der Bühne des Star Club Wien, des damals größten Jugendclubs im Land. Die Band begleitete den Sänger und Conférencier Hannes Patek; für die B-Seite von Pateks Kennmelodie „Skinny Minny“ schrieb Pepl 1964 in kürzester Zeit das Instrumental „Olymp“, laut den Trash Rock Archives „das vielleicht umwerfendste Rock-n-Roll-Instrumental“ des frühen österreichischen Beat. Mit den Evergreens ging er auf Tournee durch Europa und begleitete in Seefeld in Tirol Josephine Baker.

Harry Pepl Gitarrist und Arrangeur der Band

Tonträger Fragen und Antworten

Auf einen Blick

Gegründet
Ende 1961 in Wien, Österreich
Name
The Austrian Evergreens, zeitweise auch „The Austrian Aces“
Bühne
Ab 1962 Begleitband von Hannes Patek und Hausband im Albert-Sever-Saal in Wien-Ottakring, dem späteren Star Club Wien
Harry Pepl
Gitarre und Arrangements; auf Platte belegt ab 1964, in der Band bis Anfang der 1970er Jahre
Komposition
„Olymp“, B-Seite der Single „Skinny Minny / Olymp“, Rex Roval 35-6105, 1964
Repertoire
Hitparade, Beatles, Bossa Nova, Vokalstücke der Four Freshmen
Auftritte
Star Club Wien, ausverkaufte Kinokonzerte, Saisonengagements, Tourneen durch Europa; in Seefeld in Tirol mit Josephine Baker
Wiederveröffentlicht
„Olymp“ auf „Schnitzelbeat Volume 1“, Digatone / Trash Rock Archives, 2014

Gegründet 1961, Hausband im Star Club Wien

Die Austrian Evergreens wurden Ende 1961 gegründet. Ein Jahr später hörte der junge Sänger und Conférencier Hannes Patek die Band in Transdanubien, den Wiener Bezirken jenseits der Donau, und engagierte sie vom Fleck weg als seine Begleitband. Zugleich machte er sie zur fixen Hauscombo seiner wöchentlichen Reihe „Junge Generation Ottakring“ im Albert-Sever-Saal in Wien-Ottakring, aus der wenig später der Star Club Wien wurde.1 Patek hatte 1961 in diesem Saal einen Jugendclub gegründet, der zum größten und erfolgreichsten Jugendclub Österreichs wurde.2 In kurzen Abständen standen die Evergreens dort mit Showgrößen wie Udo Jürgens, Ralf Bendix, Gus Backus und Mike Rogers auf der Bühne.1

Ende 1962 erschien die erste Single der Band beim kleinen Heurigen-Label Rex Roval, „Susi-Twist / Tabu“: auf der A-Seite Patek mit einer deutschen Fassung von Bill Haleys „Where'd You Go Last Night“, auf der B-Seite die Band allein mit „Tabu“, einer Rock-'n'-Roll-Fassung des bekannten Exotica-Themas. Aufgenommen wurde live auf der Bühne, mit einer Revox-Bandmaschine und ein paar Mikrofonen. „Die Platte wurde komplett ohne Overdubs aufgenommen“, erinnert sich der Organist Peter Cabla.1

„Olymp“: die erste Komposition auf Platte

Rund eineinhalb Jahre später wiederholte sich die Szene. Patek spielte auf der Bühne des Albert-Sever-Saals „Skinny Minny“ ein, die Kennmelodie, die er jede Woche im Star Club sang, wieder für Rex Roval und wieder in einem Studio, das binnen einer Stunde auf der Bühne aufgebaut war. Die Evergreens begleiteten ihn und bekamen die Rückseite für eine eigene Nummer. Ihr Gitarrist Harry Pepl komponierte dafür „in kürzester Zeit einen hart rockenden ‚Apache‘-Rip-Off“: „Olymp“.3 Das Vorbild, „Apache“ von Jerry Lordan, hatte 1960 in der Fassung der Shadows fünf Wochen lang die britische Hitparade angeführt.4 Die Trash Rock Archives stellen Pepl als Musiker vor, der „Kennern österreichischer Jazzgeschichte als Ausnahmemusiker ein Begriff“ ist, und nennen „Olymp“ „das vielleicht umwerfendste Rock-n-Roll-Instrumental“ des frühen österreichischen Beat.3 Die Single „Skinny Minny / Olymp“ (Rex Roval 35-6105) erschien 1964. Sie ist die früheste Veröffentlichung, auf der Pepl belegt ist, und „Olymp“ seine früheste Komposition auf Tonträger.5 1965 folgten zwei weitere Singles von Patek mit den Evergreens, bei Polydor und bei Supercord.2

Hitparade, Bossa Nova und Josephine Baker

Bis Anfang der 1970er Jahre war Pepl bei der Band unter Vertrag, die zeitweise auch als „The Austrian Aces“ auftrat; wie es zu den beiden Namen kam, ließ sich nicht mehr klären.6 Gespielt wurden Bossa Novas, Vokalstücke der Four Freshmen und vor allem Titel aus der aktuellen Hitparade, darunter viele Songs der Beatles. Die Konzerte in Kinos waren restlos ausverkauft, die Band spielte Saisonengagements und ging auf Tournee durch Europa. In Seefeld in Tirol begleitete sie einmal die damals rund 65-jährige Josephine Baker, für Pepl der erste Star, mit dem er musizierte. Er erinnerte sich auch an eine LP, für die die Band eine goldene Schallplatte bekam.6 Die Kleine Zeitung erzählte 1988 von den Tourneen der „Austrian Aces“, die unter anderem in den damaligen Grazer Szenetempel „Palette“ führten.7

Die Schule des Abhörens

Weil in der Band nicht alle Noten lasen, hörte Pepl die einzelnen Stimmen aller nachgespielten Stücke ab und spielte sie seinen Kollegen vor, bis sie saßen.6 „Für die Band habe ich alles abgehört und arrangiert“, erzählte er Nikolaus Kohler. „Ich glaube, dass mir das Abhören wahnsinnig geholfen hat, weil es ein sehr gutes Gehörtraining ist.“ Seine Leidenschaft aber gehörte dem Jazz: „Ich habe auch immer Jazz gespielt, nur nicht öffentlich.“8 Nach den Auftritten zog er sich auf sein Zimmer zurück, um weiter zu üben, so die Kleine Zeitung.7 Kohler sieht in dieser Zeit eine Wurzel dessen, was Pepl ein Leben lang begleitete: das Wissen um die Perfektion, die komponierte Musik verlangt.9

Der Schritt ins Studio

Anfang der 1970er Jahre stieg Pepl aus, mitten in einer Tournee: „Damals dachte ich mir, dass das Schönste eigentlich sein müsste, Studiomusiker zu sein, da ich so immer spielen könnte.“10 Zurück in Wien traf er an der Jazzabteilung des Konservatoriums den Pianisten Peter Ponger. Bald hörte ihn Ernst Kugler, der Dirigent der ORF Big Band, und lud ihn ins ORF-Studio ein. Damit begann sein mehrjähriges Engagement bei der Big Band.10

Wiederentdeckt

2014 brachte die Kompilation „Schnitzelbeat Volume 1“ „Olymp“ neu heraus, zwischen Raritäten des österreichischen Rock 'n' Roll und Beat von 1957 bis 1965.11 Die Begleittexte der Trash Rock Archives erzählen die Geschichte der Band, gestützt auf Gespräche mit dem Organisten Peter Cabla.1

Anmerkungen und Quellen (11)
  1. Trash Rock Archives, „Schnitzelbeat Vol. 1 Liner Notes“, Nr. 11, The Austrian Evergreens, „Tabu“, 2015 (Webarchiv, 12.10.2025). ↩
  2. Wien Geschichte Wiki, „Hannes Patek“ (online). ↩
  3. Trash Rock Archives, „Schnitzelbeat Vol. 1 Liner Notes“, Nr. 12, The Austrian Evergreens, „Olymp“, 2015 (Webarchiv, 11.08.2025). ↩
  4. Wikipedia, „Apache (Musikstück)“. ↩
  5. Single Rex Roval 35-6105, 1964 (Discogs); Wien Geschichte Wiki, „Hannes Patek“. ↩
  6. Kohler 2006, S. 26 (nach Gesprächen mit Harry Pepl). ↩
  7. Otmar Klammer, „Feldzug mit der Gitarre“, Kleine Zeitung, 10.01.1988, S. 18. ↩
  8. Kohler 2006, S. 26 f. (Gespräch mit Harry Pepl). ↩
  9. Kohler 2006, S. 137 f. ↩
  10. Kohler 2006, S. 27 (Gespräch mit Harry Pepl). ↩
  11. „Schnitzelbeat Volume 1“, Digatone / Trash Rock Archives, DIG 004 / SCHNITZEL 001, 2014 (Discogs). ↩

Tonträger

Fragen und Antworten

In welcher Band spielte Harry Pepl in den 1960er Jahren?

Bei den Austrian Evergreens, einer Wiener Tanz- und Beatband, die zeitweise auch „The Austrian Aces“ hieß. Sie begleitete den Sänger Hannes Patek und war Hausband im Star Club Wien. Pepl spielte Gitarre und arrangierte für die Band; auf Platte ist er ab 1964 belegt, in der Band blieb er bis Anfang der 1970er Jahre.

Was ist „Olymp“?

Die früheste auf Tonträger belegte Komposition von Harry Pepl: ein hart rockendes Instrumental im Stil von „Apache“ der Shadows, das er 1964 in kürzester Zeit für die B-Seite der Single „Skinny Minny / Olymp“ schrieb. 2014 erschien es neu auf der Kompilation „Schnitzelbeat Volume 1“.

Wo trat die Band auf?

Im Albert-Sever-Saal in Wien-Ottakring, aus dessen Jugendabenden der Star Club Wien wurde, mit Showgrößen wie Udo Jürgens, Ralf Bendix, Gus Backus und Mike Rogers. Dazu kamen ausverkaufte Konzerte in Kinos, Saisonengagements und Tourneen durch Europa; in Seefeld in Tirol begleitete die Band Josephine Baker.

Was hat Pepl bei den Evergreens gelernt?

Abhören und Arrangieren. Er hörte jede Stimme der nachgespielten Stücke ab und spielte sie seinen Kollegen vor. „Ich glaube, dass mir das Abhören wahnsinnig geholfen hat, weil es ein sehr gutes Gehörtraining ist“, sagte er später.

Warum verließ Pepl die Band?

Er wollte Studiomusiker werden. Anfang der 1970er Jahre stieg er mitten in einer Tournee aus; bald darauf holte ihn Ernst Kugler, der Dirigent der ORF Big Band, ins ORF-Studio.

In der Chronik