Formation · 1975 bis 1985
Jazzzwio
Das Duo von Harry Pepl und Werner Pirchner
Gitarre und Vibraphon, zwei Improvisatoren, die nach den Worten des Posaunisten Runo Ericksson spielten „like two people in love with each other“: Mit dem Jazzzwio machten Harry Pepl und Werner Pirchner zehn Jahre lang Furore, nach dem Nachruf im Standard „international zwischen Berlin und Montreux“. Höhepunkte sind das Konzert beim Montreux Jazz Festival 1981, das ECM-Album mit Jack DeJohnette und Auftritte in Berlin, Frankfurt und New York. Die Kronen Zeitung nannte die Live-Edition von 2009 einen Klassiker des österreichischen Jazz.
Harry Pepl Co-Leader mit Werner Pirchner, Gitarre
Auf einen Blick
- Besetzung
- Harry Pepl (Gitarre), Werner Pirchner (Vibraphon, Marimba)
- Aktiv
- 1975 bis 1985 (erste Duo-Probe 1975, letzte belegte Konzerte im Oktober 1985)
- Erweitert
- mit Jack DeJohnette (1980 bis 1982), Michael Di Pasqua (1984), Don Moye, Georg Polansky und Barry Altschul (alle 1985)
- Wichtigste Auftritte
- Montreux Jazz Festival (12. Juli 1981), Jazzfest Berlin (1981), Deutsches Jazzfestival Frankfurt (1982), New York (1985)
- Tonträger
- Gegenwind (1980), Live, Montreux '81 (1981), ECM 1237 (1983), Naissus Jazz 85 (1986), Live At Miles Smiles (2003), Live In Concerts (2009)
- Labels
- Mood Records, WEA, ECM, Diskos, Universal (EmArcy)
- Schreibweisen
- Jazzzwio, JazzZwio, Jazz Zwio, Zwio, Pirchner-Pepl-Jazzzwio
Wie das Duo entstand
1975 suchte Pepls Trio Hip Jargon ein Melodieinstrument, und Pepl holte den Vibraphonisten Werner Pirchner dazu, einen Autodidakten wie er selbst. Bei einer ersten Probe zu zweit spielten sie „Stella by Starlight“ und merkten sofort, dass sie gut miteinander spielen können.1 Daraus wurde das Jazzzwio. Nikolaus Kohler zählt es zu Pepls wichtigsten Formationen; eine „Band“ war es für Pepl selbst nicht, denn dazu gehörte für ihn eine komplette Rhythmusgruppe.2
Gegenwind und Montreux
Am 1. und 2. Dezember 1979 nahmen die beiden am Bisamberg bei Wien das Album „Gegenwind“ auf: Pepl auf der Ovation-Gitarre, Pirchner an Vibraphon und Marimba und pfeifend. Die Stücke folgen einem Muster aus frei improvisierter Einleitung, Themen und Soli. ECM und Enja lehnten das Band ab, Mood Records brachte es 1980 heraus.3
Am 12. Juli 1981 spielte das Jazzzwio beim Montreux Jazz Festival, an einem Gitarrentag mit neun Formationen, vor ihnen das Trio von Biréli Lagrène, später am Abend unter anderen James Blood Ulmer. Der Mitschnitt erschien als LP „Live, Montreux '81“ bei WEA.4 Pepl erinnerte sich 1988: „Die waren alle begeistert. Eine Sensation eigentlich.“
Festivals, New York, Trio
Im September 1980 stieg Jack DeJohnette beim Festival in Saalfelden spontan ein; 1982 entstand das gemeinsame ECM-Album, das eine eigene Seite hat: Werner Pirchner / Harry Pepl / Jack DeJohnette.5 Das Jazzzwio spielte beim Jazzfest Berlin am 6. November 1981, beim Deutschen Jazzfestival in der Alten Oper Frankfurt am 2. Oktober 1982 und mit Steve Swallow beim NDR-Jazzworkshop mit der Family of Percussion.6 1985 erweiterte Don Moye vom Art Ensemble of Chicago das Duo zum Trio: Österreich-Tournee im März, Auftritt beim Festival „New Austria/New York“ im Ohio Theater in New York am 15. Mai, Jazzfestival Bozen im Juli.7 Am 12. Mai 1985 entstand im Wiener Club Miles Smiles mit Georg Polansky am Schlagzeug ein Mitschnitt, der 2003 als „Live At Miles Smiles“ erschien.8
Das Ende
Die letzten belegten Konzerte spielte das Jazzzwio im Oktober 1985 in Graz und Kindberg und am 28. Oktober 1985 in Niš, dort mit Barry Altschul und Walter Schmocker.9 Danach gingen die beiden eigene Wege, Pirchner wandte sich vor allem der Komposition zu. Elfriede Pirchner beschreibt das Ende als einvernehmlichen, organischen Prozess.10 Werner Pirchner starb 2001.
Die Aufnahmen heute
2009 erschien bei Universal „Live In Concerts“ mit den Konzerten von Montreux 1981 und Innsbruck 1984 auf CD und DVD. Daniel Pepl hatte die Bänder und das Video zwischen Sommer 2007 und Herbst 2008 aufbereitet.11 Die Kritik nannte die Edition einen Klassiker des österreichischen Jazz. 2007 widmete das Christian Muthspiel Trio dem Repertoire von Pirchner und Pepl das Album „Against The Wind“.
Anmerkungen und Quellen (11)
- Kohler 2006, S. 70 bis 71 (Interview 1-20). ↩
- Kohler 2006, S. 139. ↩
- Kohler 2006, S. 70 bis 75; Rückseite der LP „Gegenwind“ (Mood Records). ↩
- Kohler 2006, S. 76 bis 78; Montreux Jazz Festival Database, Konzert 677. ↩
- Kohler 2006, S. 82. ↩
- Kohler 2006, S. 86 bis 87. ↩
- Kohler 2006, S. 85 bis 88; New York Times, 18.05.1985 (bei Kohler zitiert). ↩
- Kohler 2006, S. 83 bis 85. ↩
- Kohler 2006, S. 88; LP „Naissus Jazz 85“ (Diskos, 1986). ↩
- Kohler 2006, S. 90; Heckel 2024, S. 84. ↩
- Concerto 2/2009, S. 44; Kronen Zeitung, 20.03.2009, S. 36. ↩
Stimmen
international zwischen Berlin und Montreux mit einer subtilen und intensiven Form der Kammermusik Furore machte
they play like two people in love with each other
Wenn es Klassiker des österreichischen Jazz gibt, hier ist einer!
Zwei originelle heimische Musiker, die beide viel zu früh gehen mussten und unvergessen sind
Wir spielten ‚Stella by Starlight‘, und merkten sofort: So ist es, wir können gut miteinander spielen. Dann hat es eigentlich angefangen mit dem Jazzzwio.
And not to forget the fourth concert: Harry Pepl and Werner Pirchner.
Werner Pirchner und Harry Pepl, sie waren perfektionistische Charakterköpfe, die keine halben Sachen machten.
Während die jungen Improvisatoren der JazzWerkstatt Wien nach Hans Koller auch Harry Pepl für sich entdecken und so zur Vaterfigur der österreichischen Szene adeln
Tonträger

Gegenwind
Pirchner / Pepl / Jazzzwio

Live, Montreux '81
Pirchner / Pepl / Jazzzwio

Werner Pirchner / Harry Pepl / Jack DeJohnette
Werner Pirchner, Harry Pepl, Jack DeJohnette

Peti Jubilarni Internacionalni Susret Džez Muzičara „Naissus Jazz 85“
Various

Live At Miles Smiles
Harry Pepl / Werner Pirchner / Georg Polanski

Live In Concerts
Pirchner / Pepl / Jazzzwio
Hören und sehen
Gegenwind, Jazzzwio
Harry Pepl (Gitarre) und Werner Pirchner (Vibraphon), Titelstück des ersten Jazzzwio-Albums.
Auswahl von Harry Pepl auf Spotify, nicht nur aus diesem Projekt.
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Harry Pepl & Werner Pirchner · JazzZwio live at Montreux 1981 (Part 1)
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Harry Pepl & Werner Pirchner · Air, Love & Vitamins (ORF Vienna 1983)
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Harry Pepl & Werner Pirchner · JazzZwio interview and performance (ORF Vienna 1983)
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Harry Pepl & Werner Pirchner · JazzZwio live at Montreux 1981 (Part 2)
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JazzZwio - Harry Pepl, Werner Pirchner - new CD/DVD "JazzZwio - Live In Concerts" at TV...
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Naissus jazz festival ' 85 - Barry Altschul,Harry Pepl,Werner Pirchner,Walter Schmocker "The Theme"
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Fragen und Antworten
Was ist das Jazzzwio?
Das Duo des Gitarristen Harry Pepl und des Vibraphonisten Werner Pirchner, aktiv von 1975 bis 1985. Es trat bei Festivals in Montreux, Berlin, Frankfurt und New York auf und gilt als eine der wichtigsten Formationen im Werk beider Musiker.
Wann wurde das Jazzzwio gegründet?
Nikolaus Kohler datiert den Beginn auf 1975, als Pepl Werner Pirchner zu seinem Trio Hip Jargon holte und die beiden erstmals im Duo spielten. Andere Quellen nennen 1977 oder 1978. Die letzten belegten Konzerte fanden im Oktober 1985 statt.
Wann spielte das Jazzzwio in Montreux?
Am 12. Juli 1981 beim Montreux Jazz Festival. Der Mitschnitt erschien als LP „Live, Montreux '81“ (WEA) und 2009 mit Video auf „Live In Concerts“.
Spielte Jack DeJohnette im Jazzzwio?
Ja, als Gast. Er stieg im September 1980 beim Festival in Saalfelden spontan ein, 1982 entstand das ECM-Album Werner Pirchner / Harry Pepl / Jack DeJohnette. Pepl nannte diese Besetzung „Jazzzwio und noch wer“.
Welche Aufnahmen gibt es vom Jazzzwio?
Gegenwind (Mood Records, 1980), Live, Montreux '81 (WEA, 1981), das ECM-Trio-Album mit Jack DeJohnette (1983), Naissus Jazz 85 (Diskos, 1986), Live At Miles Smiles (Universal, 2003) und Live In Concerts mit CD und DVD (Universal, 2009).
Wer war Werner Pirchner?
Vibraphonist und Komponist (1940 bis 2001), als Musiker wie Pepl Autodidakt. Nach dem Ende des Jazzzwio wandte er sich vor allem der Komposition zu.
In der Chronik
- 1975 Beginn des Jazzzwio mit Werner Pirchner
- 26. Oktober 1979 ORF-Bänder des Jazzzwio
- 1. Dezember 1979 Aufnahme von „Gegenwind“
- September 1980 Jack DeJohnette spielt in Saalfelden spontan mit
- 12. Juli 1981 Jazzzwio beim Montreux Jazz Festival
- 6. November 1981 Jazzfest Berlin
- 2. Oktober 1982 Deutsches Jazzfestival Frankfurt
- 1. April 1983 ECM-Album mit „Air, Love & Vitamins“
- 3. Juni 1983 ORF „Ohne Maulkorb“
- 22. Jänner 1984 Konzert Pirchner, Pepl, Di Pasqua in Salzburg
- 25. März 1984 Jazzzwio im Konservatoriumssaal Innsbruck
- März 1985 Österreich-Tournee des Jazzzwio mit Don Moye
- 12. Mai 1985 Konzert im Club Miles Smiles
- 15. Mai 1985 New York: „Beyond the Sound of Music“
- Juli 1985 Jazzzwio mit Don Moye in Bozen
- 10. Oktober 1985 Jazzzwio-Konzerte in Graz und Kindberg
- 28. Oktober 1985 Naissus Jazz 85 in Niš
- August 2001 Tod von Werner Pirchner
- 2003 Zwei Goodman- und Jazzzwio-Veröffentlichungen
- 13. März 2007 Deutschlandfunk „Milestones“
- Juli 2007 Daniel Pepl bereitet die Jazzzwio-Veröffentlichung vor
- 17. November 2008 18. Austrian Soundcheck: Preisverleihung und CD/DVD-Präsentation
- Jänner 2009 „Live In Concerts“ erscheint
In der Presse
- 8. Dezember 2005 Frankfurter Allgemeine Zeitung (Nr. 286, Seite 39, Feuilleton): „Schnelle Finger“ (Jazzgitarrist Harry Pepl gestorben)
- 9. Dezember 2005 organissimo (Jazzforum, Online): „Harry Pepl R.I.P.“
- 2007 Christian Muthspiel Trio, „Against The Wind“ (Linernotes): „Das Christian Muthspiel Trio spielt Werner Pirchner und Harry Pepl“
- 18. Jänner 2009 Kurier (Seite 38, Ressort Kultur): „JAZZZWIO: Harry Pepl & Werner Pirchner (Universal)“
- 20. März 2009 Kronen Zeitung (Seite 36, Steiermark): „Den Namen umweht Magie: JazzZwio hieß ein Duo, das in den 80-ern ...“
- 3. August 2019 christianmuthspiel.com (ORjazzTRA Vienna, Interviews): Interview zum ORjazzTRA Vienna
- 5. Juni 2020 Ö1, In Concert: „Harry Pepls „Hip Jargon“ plus Werner Pirchner anno 1975“
- 5. Februar 2024 Wulf Müller, Blog „European Jazz Masters Of The Past“: „European Jazz Masters Of The Past #2: Harry Pepl“
- 27. September 2025 RONDO (Online): „Songs From The Treehouse“ (Tim Collins, Martin Gasselsberger)