Formation · 1989 bis 1990
Schönberg Improvations
MIDI-Gitarre und Computerflügel
Ein Flügel, der sich selbst spielt, gesteuert von einer Gitarre: Für „Schönberg Improvations“ improvisierte Harry Pepl mit der MIDI-Gitarre zuerst die linke, dann die rechte Hand eines Klaviersatzes, der Bösendorfer-Computerflügel 290 SE gab die Spuren wieder. Dazu spielten Dave Liebman und Johannes Enders Saxofon und Wolfgang Reisinger Schlagzeug. Das Magazin Tschinnbumm nannte das Album 1990 einen „musikalischen Quantensprung“.
Harry Pepl Komponist, MIDI-Gitarre, Pedal am Computerflügel
Auf einen Blick
- Besetzung
- Harry Pepl (MIDI-Gitarre, Komposition, Haltepedal), Dave Liebman (Sopransaxofon), Johannes Enders (Tenorsaxofon, zwei Titel), Wolfgang Reisinger (Schlagzeug, Gongs, Chimes, Kalimba)
- Instrument
- Bösendorfer-Computerflügel 290 SE, gesteuert über MIDI
- Aufnahme
- November 1989, Wien (Studio im Keller des Konzerthauses)
- Präsentation
- 7. Februar 1990, Wiener Konzerthaus, mit Wolfgang Puschnig
- Tonträger
- Amadeo 843086, LP und CD 1990; Universal 2004 als „Schoenberg Improvisations“
- Methode
- Instant Composing, auch Real-time Composing
Die Idee
Pepl war einer der ersten Jazzmusiker weltweit, die mit der MIDI-Gitarre arbeiteten, Stefan Heckel nennt ihn einen der ersten in Österreich.1 Mit ihr komponierte er zu Hause im Verfahren des Instant Composing: Zuerst improvisierte er mit Klavierklang die linke Hand, dann, darauf reagierend, die rechte; die festgehaltene Improvisation wurde als Partitur ausgedruckt.2 Die Idee stellte er Wulf Müller von Polygram vor, gemeinsam besuchten sie Bösendorfer, wo der Computerflügel 290 SE die MIDI-Daten in Anschläge verwandeln konnte.3 Den Titel erklärt Kohler als Verbindung aus Improvisation und Variation; als Anregungen nannte Pepl Glenn Goulds Aufnahmen der Klavierwerke Schönbergs, die Goldberg-Variationen und Giacinto Scelsi.4
Die Aufnahme
Aufgenommen wurde im November 1989 in Wien, im ehemaligen Austrophon-Studio im Keller des Wiener Konzerthauses, mit dem Toningenieur Richard Österreicher jun.5 Weil der Flügel 1.200 Lautstärkestufen kennt, MIDI aber nur 127, schrieben Österreicher und Lukas Filz in zwei Tagen ein Umrechnungsprogramm. Das Haltepedal bediente Pepl in Echtzeit mit dem Fuß.6 Die Saxofonthemen gehören zur komponierten rechten Hand und wurden vom Computerausdruck gelesen, das Schlagzeug improvisierte Reisinger dazu.7 Aus neun Studiotagen entstanden zehn Titel: „FM-Syndrom“, „Schönberg Improvations“, „Alone Is a Golden Stone“, „Magnet Resonance“, „Wide One“, „The Last Bars of Mankind“, „3 Days Before“, „Herbstzeitlose Arbeitslose“, „Einsicht Ins Mich“ und „Eastern Island Ears“.8 Für die Harmonien von „Alone Is a Golden Stone“ nannte Pepl „Every Breath You Take“ von The Police als Anregung.9
Die Präsentation
Am 7. Februar 1990 wurde das Programm im Wiener Konzerthaus vorgestellt, mit Wolfgang Puschnig statt Liebman am Saxofon. Pepl saß am selbstspielenden Flügel und bediente nur das Pedal.10 Drei Wochen später spielte er beim Komponistenporträt im Musikverein Gitarre zum Computerflügel.11
Echo
Tschinnbumm sprach von einem „musikalischen Quantensprung“, Harry Lachner in Jazzlive von einem „vorläufigen Extrempunkt auf der Skala der Klangerzeuger“. Andreas Felber nannte die CD-Ausgabe von 2004 das „bisher kompromissloseste Dokument“ von Pepls Instant Composing.12 Die Ausgabe von 2004 bei Universal trägt durch einen Fehler im Layout den Titel „Schoenberg Improvisations“; Kohler schreibt, der Titel sei gegen Pepls Willen geändert worden.13 „FM-Syndrom“ spielen Liebman und Reisinger seit Mitte der 1990er Jahre live.14
Anmerkungen und Quellen (14)
- Angabe Daniel Pepl, 15.10.2026; Heckel 2024, S. 63, 77. ↩
- Kohler 2006, S. 115 bis 116. ↩
- Heckel 2024, S. 104, 108 bis 109. ↩
- Kohler 2006, S. 117; Heckel 2024, S. 106 bis 107. ↩
- Heckel 2024, S. 103 bis 105. ↩
- Heckel 2024, S. 110 bis 111. ↩
- Kohler 2006, S. 119; Heckel 2024, S. 111 bis 113. ↩
- Heckel 2024, S. 108, 112. ↩
- Kohler 2006, S. 117. ↩
- Kohler 2006, S. 116, 119; Heckel 2024, S. 112, 219 bis 220. ↩
- Programmheft der Gesellschaft der Musikfreunde, 27.02.1990; Heckel 2024, S. 217 bis 218. ↩
- Heckel 2024, S. 119. ↩
- Heckel 2024, S. 107; Kohler 2006, S. 117. ↩
- Kohler 2006, S. 119; Heckel 2024, S. 120. ↩
Stimmen
musikalischer Quantensprung
bisher kompromissloseste Dokument seines Prinzips des Instant Composing
Harry Pepl was a great musician whose musicianship was beyond the norm.
Ich glaube, dass ich so ziemlich der erste war, der in Österreich einen Gitarrensynthesizer verwendet hat.
Musically, I still find this album exciting, challenging and powerful.
Tonträger
Hören und sehen
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Fragen und Antworten
Was ist „Schönberg Improvations“?
Ein Album und Konzertprogramm von Harry Pepl (aufgenommen 1989, erschienen 1990): Er spielte Klaviermusik mit der MIDI-Gitarre ein, der Bösendorfer-Computerflügel 290 SE gab sie wieder, dazu spielten Saxofon und Schlagzeug live.
Wie entstand die Musik?
Im Instant Composing: Pepl improvisierte mit Klavierklang zuerst die linke, dann reagierend die rechte Hand. Die Aufnahme wurde als Partitur ausgedruckt, die Saxofonisten lasen ihre Themen davon ab.
Wer spielte mit?
Dave Liebman (Sopransaxofon), Johannes Enders (Tenorsaxofon) und Wolfgang Reisinger (Schlagzeug); bei der Präsentation am 7. Februar 1990 spielte Wolfgang Puschnig statt Liebman.
Was bedeutet „Improvation“?
Eine Wortschöpfung aus Improvisation und Variation.
Warum heißt die CD von 2004 „Schoenberg Improvisations“?
Bei der Neuausgabe durch Universal wurde der Titel geändert; Stefan Heckel spricht von einem Layoutfehler, Nikolaus Kohler von einer Änderung gegen Pepls Willen.
